"Bob Dylan ist keine Verwirklichung, er ist nicht die Ausschüttung des heiligen Geistes, er ist keine Lösung – er spielt. Er spielt so wie Roman Signer spielt, wie Helge Schneider spielt, wie Roger Federer spielt. Er ist der Junge, der in der Lage ist, an den Teufel in der Wüste zu glauben und gleichzeitig zum Beweise der Gravitation eine Münze fallen lässt. Bob Dylan ist ein voll- umfänglicher Widerspruch – er ist komplett.Und wer ist er wirklich? Verzeihung, vergiss das. Wenn Du Dylan hörst, dann darfst Du den ganzen Wahnsinn, den man Dir seit Jahren zum Thema “Person” verfüttert, endlich aber kräftig erbrechen. Du darfst Deine Jogaklasse kündigen und Dich hernach in Gegenwart seiner Majestät vom Gebot nach Traum- mann, Traumjob, Traumkind, Traumkörper befreien. Du darfst es wagen, das Leben anzunehmen. Du darfst zugeben, dass kein Mensch so aussieht wie die Leute in der Werbung, dass kein Mensch so spricht wie Oliver Geissen, dass kein Mensch 10.000 Eier fressen kann. Du darfst jemandem zuhören, der eine hässliche Stimme hat und trotzdem der beste Sänger der Welt ist. Hier singt nicht jemand für oder gegen Dich, aber immer zu Dir. Er besitzt dabei ein Maß an Fantasie und sprachlichem Reichtum, dass Du in Anbetracht von MTV unweigerlich zum Schluss kommen musst, dass Du Dich im Mittelalter befindest. Man höre sich BLONDE ON BLONDE an, weil es ein über- wältigender Einstieg in das Universum von Bob Dylan sein könnte und in die Lehre von Mundharmonikaschmerz.Und nun, lieber Leser, setze Dich, schalte Dein Telefon aus, atme tief ein und schließe diesen Text mit dem ersten Vers von „Love Minus Zero/No Limits”, Amen: My love she speaks like silence
Without ideals or violence
She doesn't have to say she's faithful
Yet she's true, like ice, like fire."
-Sophie Hunger-
Hallo Kinder, das nenn ich mal gut dahingepflätscht. Und ich darf auch. Und zwar am Dienstag. Scheisse, was freue ich mich!
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