Mittwoch, 24. Juni 2009

Geschreibsel

Da will man gerade einen Post über schlechte Tage, deren Vorbeugung und Rettung schreiben und stösst dann auf dies:

http://www.20min.ch/community/stories/story/Lass-mich-in-Ruhe--du-Arsch--22605232

Wurde denn wirklich schon über alles geschrieben? Findet man überhaupt noch Themen, die nicht schon beschrieben und durekätschet sind? Ja ich weiss, man findet schon und es ist ja gar nicht so schwierig, etwas Eigenes zu schreiben, aber jetzt regt es mich gerade ein bisschen auf. Was wiederum zur Rettung dieses schlechten Tages nicht beiträgt.

Übrigens habe ich jetzt endlich auch angefangen ein bisschen poetisch zu werden, wollte ich ja schon lange. Da ich aber finde, dass dieser Blog keine gute Fläche darbietet, veröffentliche ich die LiLis (Linny-Lyrik, gut nicht?) auf http://www.writtenby.ch/.
So und jetzt stecke ich mir ein paar Kirschen an jedes Ohr und gehe in den Zoo.
Oder so.

Dienstag, 2. Juni 2009

Das Phänomen Büro.

Ich arbeite ja vormittags in einem Büro. Büros sind anstrengend. Büros sind kleine Schauspielhäuser. In einem Büro bist du nicht, du machst.

Bürofaktor #1

Freundlichkeit
In so einem Büro sind ja alle immer freundlich; überlautes Guten Morgen, vorfreudiges En Guete, erleichertes und mit einem"Ha-ich-kann-halt-jetzt-gehen"-Unterton versetztes Schönen Abend. Dazwischen Türe aufhalten, beim x-ten Aufeinandertreffen ein zusammengekniffenes Lächeln entstehen lassen und zwischen Arbeitsfragen gezwungen small talken. Ich habe nichts gegen Freundlichkeit im Allgemeinen, ich zähle mich sogar selbst zu der Art Mensch der freundlich ist, doch in diesem Mass finde ichs zum Boden anschreien (nur dass dieser Metapher mal erwähnt ist, ha ha.)

Bürofaktor #2

Büro-Menschen
Ich zitiere einen Bekannten: "Was du arbeitest in der XY? Ha, ich sage dir, du wirst nie mehr solche schräge Vögel wie dort kennenlernen, ist doch egal wenn die Arbeit langweilig ist, du wirst deinen Spass haben, nur schon wegen den Angestellten!" Recht hatte er. Nun will ich meine Mitarbeiter vorstellen:

M. K.:
männlich, deutsch, lang, 30jährig, frisch verheiratet, in Besitz von übergrossen Nasenlöchern. Und jetzt kommt der Zeitpunkt, an dem ich mich kaum mehr halten kann. Seine Nasenlöcher. Laut. Überlaut. Also die Luft, die heraus kommt. Nach jedem Wort hörbar. Am Telefon ganz schlimm. Wenn er lacht (und über seinen Lacher könnte ich mich auch auslassen, mache ich aber nicht) noch lauter. Wenn erkältet, versteht man seine eigene Worte nicht mehr.
Am liebsten würde ich meinen selbst genähten Chlüpperlisack mitnehmen und die Chlüpperli mit den Worten: "Welche Farbe willst du?" auf seinem Schreibtisch ausbreiten. Aber das macht man ja nicht.

M. S.:
weiblich, härzig, nicht mehr gut zu Fuss, total ermüdend und total begeistert von ihrem Tun.
M. ist seit 37 Jahren hier tätig. Mehr muss wohl nicht gesagt sein.
Oder doch, vielleicht noch dies:
Ich hätte sie gerne als Grossmutter. Aber in einem Büro, wenn man speditiv sein will, ist sie fast unerträglich. Es gibt Momente, zum Beispiel wenn sie mir vor meinem ersten Kaffee etwas erklärt, da würde ich am liebsten sagen: "Sooo wir treffen uns um 15 Uhr wieder, dann gehen wir im Park spazieren und du erzählst von deinem frischgekauften Brot und deinen Geranien auf dem Balkon, okay?" Aber das macht man ja nicht.

A. U.:
weiblich, ca. 33, frischgebackene Mutter, immer am chlönen, immer unsicher, erfüllt das typische Klischee einer Frau in ihrem Alter: " Ich hab Mann und Kind, darum arbeite ich 30% an einem Ort, der mich nicht all zu sehr fordert." Manchmal grüsse ich sie nicht, obwohl man das ja nicht macht.

C. M:
weiblich, 40, übermotiviert und die absolute Freundlichkeit (eben, zum Boden anschreien) in Person, so schweizerisch, das man den Käse fast riechen kann und in Dübendorf wohnhaft. Single und man weiss warum, geht regelmässig mit meiner Ex-Abteilungsleiterin, die mich mal in einen meiner Albträume besuchen kam, in die Ferien. So mit Videokamera und Feldstecher.
Ich hab mal ihren Schirm geklaut.